Zum Inhalt springen

E-Commerce

Warenkorbabbruch: Gründe finden und Abbrüche senken

Die häufigsten Gründe für Warenkorbabbrüche, wie Sie die Abbruchrate berechnen und wie Session Replay zeigt, an welcher Stelle Kunden den Checkout verlassen.

Veröffentlicht · Aktualisiert · 5 Min. Lesezeit

Kunden brechen einen Kauf meist ab, weil im Checkout etwas Unerwartetes passiert: zusätzliche Kosten, ein Kontozwang, eine fehlende Zahlungsart, ein Formular, das auf dem Smartphone nicht funktioniert, oder schlicht ein Fehler. Welcher dieser Gründe in Ihrem Shop dominiert, verrät die Abbruchrate allein nicht. Das zeigen erst die Aufzeichnungen der Besuche, die kurz vor dem Kauf enden.

Was ist ein Warenkorbabbruch?

Von einem Warenkorbabbruch spricht man, wenn ein Besucher mindestens ein Produkt in den Warenkorb legt, den Kauf aber nicht abschließt. Davon zu unterscheiden ist der Checkout-Abbruch im engeren Sinn: Hier hat die Person den Bestellprozess bereits begonnen, etwa die Adresse eingegeben, und verlässt ihn vor der Bestellbestätigung.

Nicht jeder Abbruch ist ein Problem. Viele Menschen nutzen den Warenkorb als Merkzettel, vergleichen Preise oder wollen erst später am Rechner bestellen. Relevant sind vor allem die Abbrüche, die durch Hürden im Shop verursacht werden, denn diese können Sie beeinflussen.

Wie berechnet man die Warenkorbabbruchrate?

Die übliche Formel lautet: Abbruchrate = (1 − abgeschlossene Bestellungen ÷ Sessions mit befülltem Warenkorb) × 100. Wenn also 400 Besuche einen Warenkorb erzeugen und daraus 100 Bestellungen entstehen, liegt die Abbruchrate bei 75 Prozent.

Aussagekräftiger als eine einzelne Zahl ist die Aufteilung nach Schritten: Wie viele gehen vom Warenkorb zur Adresseingabe, von dort zur Zahlungsart und weiter zur Bestellübersicht? Werten Sie außerdem nach Gerätetyp aus, denn mobile und Desktop-Nutzer scheitern oft an unterschiedlichen Stellen. Branchenvergleiche sind nur begrenzt hilfreich; entscheidend ist die Entwicklung Ihrer eigenen Werte.

Was sind die häufigsten Gründe für Kaufabbrüche?

  • Unerwartete Zusatzkosten: Versandkosten, Gebühren für bestimmte Zahlungsarten oder Zuschläge erscheinen erst im letzten Schritt.
  • Kontozwang: Ohne Registrierung geht es nicht weiter, ein Gastkauf fehlt oder ist schwer zu finden.
  • Komplizierter Checkout: zu viele Schritte, doppelte Eingaben, unklare Fortschrittsanzeige.
  • Fehlende Zahlungsarten: Die bevorzugte Methode, etwa Kauf auf Rechnung, PayPal oder Lastschrift, wird nicht angeboten.
  • Fehlendes Vertrauen: unklare Rückgabebedingungen, keine erkennbaren Kontaktdaten, ungewohnte Weiterleitungen zum Zahlungsanbieter.
  • Technische Fehler und Ladezeiten: Ein Gutscheinfeld wirft einen Fehler, der Zahlungsdienst lädt nicht, der Button reagiert nicht.
  • Mobile Formulare: falsche Tastatur, zu kleine Felder, Fehlermeldungen außerhalb des sichtbaren Bereichs.
  • Lieferzeit oder Lieferoptionen: Der Liefertermin passt nicht oder die gewünschte Versandart fehlt.

Wie finden Sie die Gründe mit Session Replay?

Umfragen und Webanalyse liefern Hinweise, aber selten die konkrete Ursache. Mit Session Replay sehen Sie die Besuche selbst. Damit Sie nicht wahllos Aufzeichnungen anschauen, gehen Sie systematisch vor:

  1. Checkout-Schritte als Events markieren

    Rufen Sie track() in jedem Schritt auf, zum Beispiel checkout_address, checkout_payment und order_completed. Anleitung: Dokumentation zu eigenen Events (auf Englisch).

  2. Abbrüche eingrenzen

    Filtern Sie in der Session-Liste nach dem Event des Schritts, an dem die meisten aussteigen, und schauen Sie sich Sessions an, in denen danach keine Bestellung folgt.

  3. Fehler zuerst prüfen

    Filtern Sie nach Sessions mit JavaScript-Fehlern. Ein einzelner Fehler im Zahlungsschritt kann viele Abbrüche erklären und ist oft schnell behoben.

  4. Frustrationssignale auswerten

    Filtern Sie nach Rage Clicks, also drei oder mehr Klicks innerhalb einer Sekunde an nahezu derselben Stelle. Sie zeigen Buttons, die nicht reagieren, oder Elemente, die klickbar wirken, es aber nicht sind.

  5. Muster notieren

    Schauen Sie sich pro Hypothese eine Handvoll Sessions an und notieren Sie, was sich wiederholt. Erst ein wiederkehrendes Muster rechtfertigt eine Änderung.

  6. Maßnahme umsetzen und vergleichen

    Ändern Sie den Checkout und vergleichen Sie Abbruchrate und Aufzeichnungen vor und nach der Änderung.

Wie viel von den Adressfeldern in der Aufzeichnung landet, entscheiden Sie: Standardmäßig ersetzt der Browser die Werte durch Sternchen, bevor sie gesendet werden; mit maskAllInputs: false sehen Sie, was eingegeben wurde. Zahlungsfelder sind davon ausgenommen, sie werden in jeder Konfiguration maskiert. Sichtbar bleibt in beiden Fällen, welches Feld bearbeitet wurde und wie sich die Person durch das Formular bewegt. Mehr dazu im Artikel über Formularabbrüche.

Wie sieht welcher Grund in der Aufzeichnung aus?

Abbruchgründe, typische Muster und mögliche Maßnahmen
GrundSo sieht es in der Aufzeichnung ausMögliche Maßnahme
Unerwartete ZusatzkostenDie Person scrollt in der Bestellübersicht zur Summe, verweilt und verlässt die Seite.Versandkosten früh auf Produktseite und im Warenkorb nennen
KontozwangDie Anmeldeseite erscheint, die Person schaut kurz, klickt zurück oder schließt den Tab.Gastkauf anbieten und deutlich platzieren
Komplizierter CheckoutHäufiges Vor- und Zurückspringen zwischen Schritten, lange Pausen.Schritte zusammenlegen, Fortschrittsanzeige ergänzen
Fehlende ZahlungsartDie Liste der Zahlungsarten wird durchgesehen, ohne dass eine gewählt wird.Zahlungsarten Ihrer Zielgruppe prüfen und ergänzen
Fehlendes VertrauenWechsel zu Rückgabe- oder Impressumsseite, danach kein Kauf.Rückgabe, Kontakt und Gütesiegel im Checkout sichtbar machen
Technischer FehlerSession mit Fehlermarkierung, Button ohne Reaktion, Rage Clicks.Fehler beheben, Monitoring für den Checkout einrichten
Mobile FormularproblemeWiederholtes Antippen eines Feldes, Zoomen, Fehlermeldung außerhalb des Bildschirms.Passende Eingabetypen, größere Felder, Fehlermeldungen direkt am Feld

Ein Tipp aus der Praxis: Schauen Sie sich nicht nur Abbrecher an, sondern auch einige erfolgreiche Käufe. Wenn selbst Käufer lange an einem Feld hängen oder mehrfach zurückspringen, haben Sie eine Hürde gefunden, die auch diejenigen trifft, die es trotzdem geschafft haben.

Welche Maßnahmen reduzieren Warenkorbabbrüche?

  • Kommunizieren Sie alle Kosten und Lieferzeiten, bevor der Checkout beginnt.
  • Bieten Sie einen Gastkauf an und fragen Sie nach der Bestellung, ob ein Konto angelegt werden soll.
  • Reduzieren Sie Pflichtfelder auf das, was für Lieferung und Zahlung wirklich nötig ist.
  • Bieten Sie die in Ihrem Markt üblichen Zahlungsarten an.
  • Prüfen Sie den Checkout nach jedem Release auf Fehler, idealerweise mit Blick auf markierte Sessions.
  • Testen Sie den gesamten Ablauf regelmäßig auf echten Smartphones.
  • Machen Sie Vertrauen sichtbar: Rückgaberecht, Kontaktmöglichkeit, sichere Zahlung.

Wenn Ihr Shop in mehreren Ländern verkauft, hilft die Übersetzung von Sessions: Ihr Team spielt eine Aufzeichnung aus dem französischen Shop ab und liest die Oberfläche auf Deutsch. Wichtig zur Einordnung: AnyReplay bietet keine Funnel-Berichte; die Abbruchrate berechnen Sie weiterhin in Ihrer Webanalyse oder Ihrem Shopsystem.

Wie viele Aufzeichnungen muss ich mir ansehen?

Filtern Sie zuerst nach Fehlern, Rage Clicks und dem Schritt mit den meisten Abbrüchen. Oft zeigt sich ein Muster schon nach wenigen gezielt ausgewählten Sessions.

Sehe ich Kreditkartennummern in der Aufzeichnung?

Nein. Kartennummer, Prüfziffer, Ablaufdatum und Karteninhaber werden im Browser maskiert, auch wenn Sie andere Eingaben aufzeichnen; ebenso jede Ziffernfolge, die wie eine Kartennummer aussieht. Eingebettete Zahlungsformulare laufen ohnehin meist in eigenen Frames.

Jede Session in Ihrer Sprache ansehen.

In wenigen Minuten installiert – und den Free-Plan behalten Sie, solange Sie möchten. Ein Projekt und 500 Sessions pro Monat, kostenlos.