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Session Replay

Session Replay: Nutzerverhalten auf Websites verstehen

Was Session Replay ist, wie die Aufzeichnung technisch funktioniert, welche Daten erfasst werden und worauf Sie bei der Auswahl eines Tools achten sollten.

Veröffentlicht · Aktualisiert · 5 Min. Lesezeit

Session Replay ist ein Verfahren, mit dem Sie den Besuch einer Person auf Ihrer Website nachträglich wie einen Film abspielen: Klicks, Scrollbewegungen, Seitenwechsel und Eingaben erscheinen in der zeitlichen Reihenfolge, in der sie passiert sind. Anders als ein Video entsteht dabei jedoch keine Bildschirmaufnahme, sondern ein Protokoll der Seitenstruktur und ihrer Änderungen. So sehen Produkt-, Support- und E-Commerce-Teams, warum eine Zahl in der Webanalyse so aussieht, wie sie aussieht.

Was ist Session Replay genau?

Eine Session ist ein zusammenhängender Besuch: Jemand öffnet Ihre Startseite, sucht ein Produkt, legt es in den Warenkorb und bricht im Checkout ab. Ein Session-Recording-Tool hält diesen Ablauf fest und stellt ihn in einem Player dar. Sie sehen, an welcher Stelle gezögert wurde, welcher Button nicht reagiert hat und ob eine Fehlermeldung überhaupt sichtbar war.

Typische Einsatzfelder sind die Fehlersuche („Der Kunde sagt, der Button funktioniert nicht“), die Optimierung von Checkout und Formularen, die Qualitätssicherung nach einem Release sowie der Kundensupport, der ein Problem nachvollziehen möchte, ohne zehn Rückfragen zu stellen.

Wird dabei ein Video aufgezeichnet?

Nein, zumindest nicht bei modernen Web-Tools. Die Aufzeichnung basiert auf dem DOM, also der Baumstruktur, aus der der Browser die Seite aufbaut. Beim Start wird ein vollständiger Schnappschuss der Seite erfasst, danach nur noch Änderungen: ein Element erscheint, ein Text ändert sich, die Maus bewegt sich, ein Klick findet statt. Beim Abspielen baut der Player die Seite aus diesen Daten wieder auf.

Das hat praktische Vorteile. Die Datenmengen sind deutlich kleiner als bei Videos, Texte bleiben durchsuchbar, und Inhalte lassen sich schon im Browser maskieren, bevor irgendetwas übertragen wird. AnyReplay nutzt genau dieses Prinzip; wie das im Detail funktioniert, beschreibt die Dokumentation zur Aufzeichnung (auf Englisch).

Welche Daten werden erfasst und welche nicht?

Welche Daten ein Tool erfasst, hängt stark von seiner Konfiguration ab. Die folgende Übersicht zeigt, was bei AnyReplay standardmäßig gilt:

Standardverhalten des AnyReplay-Recorders im Browser
DatenartErfasst?Hinweis
Seitenstruktur und sichtbare TexteJaEinzelne Bereiche lassen sich mit der Klasse ar-mask maskieren.
Klicks, Scrollen, MausbewegungenJaGrundlage für die Wiedergabe und für Signale wie Rage Clicks.
Werte in EingabefeldernNur mit maskAllInputs: falseStandardmäßig ersetzt der Browser sie durch Sternchen, bevor sie gesendet werden.
Passwörter, Einmalcodes, Zahlungsdaten, IBANNeinDiese Felder sind in jeder Konfiguration maskiert.
E-Mail-Adressen, TelefonnummernNur mit maskAllInputs: falseGewöhnliche Felder: Sie folgen maskAllInputs.
SkriptinhalteNeinSkripte der Seite werden nie aufgezeichnet.
Komplett ausgeblendete ElementeNeinMit ar-block erscheint nur ein Platzhalter.
JavaScript-FehlerJaSessions mit unbehandelten Fehlern werden markiert.

Legen Sie vor dem Livegang fest, welche Felder und Bereiche maskiert werden, denn sonst sammeln sich schnell personenbezogene Daten in Aufzeichnungen. Eine Zeile in der Konfiguration genügt, und maskiert wird im Browser, bevor etwas übertragen wird. Details finden Sie auf unserer Seite zum Datenschutz in AnyReplay.

Worin unterscheidet sich Session Replay von Webanalyse?

Webanalyse-Tools wie Google Analytics oder Matomo beantworten die Frage wie viele: wie viele Besuche, wie viele Käufe, welche Kanäle. Sie arbeiten mit aggregierten Kennzahlen. Session Replay beantwortet die Frage warum: Sie sehen den einzelnen Verlauf, der hinter einer Kennzahl steckt.

AspektWebanalyseSession Replay
LeitfrageWie viele und woher?Warum und an welcher Stelle?
DatenbasisSeitenaufrufe und Ereignisse, aggregiertEinzelne Besuche als Ablauf
Typisches ErgebnisBerichte, Trends, KanäleKonkrete Bedienprobleme und Fehler
StärkeÜberblick über große MengenTiefe Einblicke in einzelne Fälle

In der Praxis ergänzen sich beide Ansätze: Die Webanalyse zeigt, dass die Abbruchrate im Checkout gestiegen ist, die Aufzeichnungen zeigen, dass das Feld für die Postleitzahl auf Mobilgeräten eine falsche Tastatur öffnet. Wie Sie dabei konkret vorgehen, lesen Sie im Artikel zu Gründen für Warenkorbabbrüche.

Darf man Website-Besucher überhaupt aufzeichnen?

Session Replay verarbeitet in der Regel personenbezogene Daten und greift auf das Endgerät zu. Nach verbreiteter Auffassung der Aufsichtsbehörden ist dafür meist eine Einwilligung über Ihr Consent-Banner nötig; hinzu kommen Auftragsverarbeitungsvertrag, Informationspflichten und Speicherfristen. Die Einzelheiten haben wir im Artikel Session Replay und DSGVO zusammengefasst. Dieser Beitrag ist kein Rechtsrat; lassen Sie Ihren Einsatz von Ihrer Datenschutzbeauftragten oder Rechtsberatung prüfen.

Technisch unterstützt AnyReplay diesen Weg: Mit requireConsent: true zeichnet der Recorder nichts auf, bis Ihr Consent-Banner consent(true) aufruft.

Welche Signale helfen, relevante Aufzeichnungen zu finden?

Niemand sieht sich tausende Sessions an. Entscheidend ist deshalb, wie gut ein Tool die interessanten Aufzeichnungen herausfiltert. In AnyReplay lassen sich Sessions nach drei Kriterien filtern:

  • Fehler: Sessions mit unbehandelten JavaScript-Fehlern oder abgelehnten Promises werden automatisch markiert.
  • Rage Clicks: drei oder mehr Klicks innerhalb einer Sekunde an nahezu derselben Stelle, ein starkes Frustrationssignal. Mehr dazu im Artikel über Rage Clicks.
  • Eigene Events: Mit track() markieren Sie wichtige Schritte, etwa „Zahlungsart gewählt“, und finden anschließend alle Sessions, in denen dieser Schritt vorkam oder fehlte.

Wichtig zur Einordnung: AnyReplay bietet keine Heatmaps, keine Funnel-Auswertungen und keine A/B-Tests. Der Fokus liegt auf der Aufzeichnung und Wiedergabe einzelner Sessions im Web und in React-Native-Apps.

Wie wählen Sie das passende Session-Recording-Tool aus?

Vor einer Entscheidung lohnt es sich, die Anforderungen aus Produkt, Technik und Datenschutz gemeinsam festzuhalten. Diese Checkliste hilft dabei:

  • Lassen sich Eingaben maskieren, und zwar bereits im Browser, bevor gesendet wird?
  • Lässt sich die Aufzeichnung an eine Einwilligung koppeln?
  • Welche Speicherdauer können Sie einstellen, und lassen sich einzelne Sessions sofort löschen?
  • Gibt es einen Auftragsverarbeitungsvertrag, und ist Self-Hosting möglich?
  • Wie werden Aufzeichnungen abgespielt: Laufen dabei Skripte der aufgezeichneten Seite?
  • Lassen sich Sessions nach Fehlern, Frustrationssignalen und eigenen Events filtern?
  • Unterstützt das Tool neben dem Web auch Ihre mobile App?
  • Wie viele Sessions pro Monat benötigen Sie, und gibt es Sampling oder Obergrenzen?
  • Arbeiten internationale Teams mit den Aufzeichnungen, sodass Übersetzungen hilfreich wären?

Die Installation im Web ist meist schnell erledigt, entweder per Script-Tag oder als npm-Paket. Eine Anleitung finden Sie im Schnellstart (auf Englisch). Für Apps gibt es ein eigenes SDK, das im Artikel zum Nutzerverhalten in React-Native-Apps beschrieben ist.

Verlangsamt Session Replay meine Website?

Ein DOM-basierter Recorder überträgt nur Änderungen und keine Videobilder. Mit `sampleRate` können Sie zusätzlich festlegen, dass nur ein Teil der Besucher aufgezeichnet wird.

Kann ich sehen, was Nutzer in Formulare eingeben?

Standardmäßig nicht: Der Browser ersetzt die Werte durch Sternchen, und Sie sehen, welches Feld bearbeitet wurde. Für die Formularanalyse kann `maskAllInputs: false` die Werte selbst aufzeichnen. Passwörter und Zahlungsdaten sind immer maskiert.

Funktioniert Session Replay auch in Single-Page-Apps?

Ja. Da Änderungen am DOM fortlaufend erfasst werden, sind auch clientseitige Seitenwechsel sichtbar.

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