DSGVO
Microsoft Clarity und DSGVO: Einsatz sorgfältig prüfen
Was Microsoft Clarity kann, welche Schritte für einen datenschutzbewussten Einsatz diskutiert werden und wann sich eine Alternative lohnen kann. Kein Rechtsrat.
Veröffentlicht · Aktualisiert · 4 Min. Lesezeit
Microsoft Clarity lässt sich nach verbreiteter Auffassung nur mit sorgfältiger Vorbereitung im Einklang mit der DSGVO einsetzen: in der Regel mit Einwilligung über das Consent-Banner, geprüften Maskierungseinstellungen, einer angepassten Datenschutzerklärung und einer Bewertung der Vertragsgrundlagen und Drittlandtransfers. Ein pauschales Ja oder Nein gibt es nicht, weil das Ergebnis von Ihrer Konfiguration und Ihrem Einsatzzweck abhängt.
Was ist Microsoft Clarity?
Clarity ist ein kostenloses Analysewerkzeug von Microsoft. Nach eigener Darstellung bietet es Aufzeichnungen von Besuchen, Heatmaps für Klicks und Scrolltiefe sowie automatische Auswertungen. Dazu gehören Frustrationssignale wie Rage Clicks, also schnelle wiederholte Klicks, und Dead Clicks, also Klicks ohne Reaktion der Seite. Die Einrichtung erfolgt über ein Skript, das in die Website eingebunden wird, oder über gängige Tag-Manager und Shop-Systeme.
Gerade weil Clarity kostenlos und schnell eingerichtet ist, taucht es in vielen Projekten auf, manchmal ohne dass die Datenschutzseite davon weiß. Genau dort beginnen die Fragen.
Welche Daten verarbeitet Clarity?
Wie andere Session-Replay-Tools erfasst Clarity das Verhalten auf der Seite: Mausbewegungen, Klicks, Scrollen, Seitenaufrufe sowie technische Informationen zu Gerät und Browser. Zur Wiedererkennung von Besuchen werden nach Angaben von Microsoft Cookies eingesetzt. Sensible Inhalte lassen sich über Maskierungseinstellungen verbergen.
Damit sind in der Regel zwei Rechtsfragen berührt: der Zugriff auf das Endgerät nach § 25 TDDDG und die Verarbeitung personenbezogener Daten nach der DSGVO. Beide Ebenen erklären wir ausführlich im Artikel Session Replay und DSGVO.
Kann man Clarity DSGVO-konform einsetzen?
In Fachbeiträgen und Datenschutz-Leitfäden werden immer wieder dieselben Schritte genannt. Sie sind keine Garantie, zeigen aber, worauf es bei der Prüfung ankommt:
Nur mit Opt-in laden
Das Skript sollte in der Regel erst nach aktiver Zustimmung im Consent-Banner geladen werden. Eine Vorauswahl oder ein Laden vor der Entscheidung wird von Aufsichtsbehörden kritisch gesehen.
Einwilligungssignal übergeben
Clarity bietet eine Schnittstelle, über die Ihre Consent-Management-Plattform den Einwilligungsstatus mitteilen kann. Prüfen Sie, ob Ihre CMP das unterstützt und korrekt eingerichtet ist.
Maskierung prüfen
Kontrollieren Sie die Maskierungseinstellungen und testen Sie Seiten mit Kundendaten, etwa Kundenkonto, Checkout und Kontaktformulare, anhand echter Aufzeichnungen.
Vertragsgrundlagen klären
Prüfen Sie die Nutzungsbedingungen und Datenschutzregelungen von Microsoft und bewerten Sie, welche Rolle Microsoft bei der Verarbeitung einnimmt.
Drittlandtransfer bewerten
Klären Sie, ob Daten außerhalb des EWR verarbeitet werden und auf welcher Grundlage, etwa Angemessenheitsbeschluss oder Standardvertragsklauseln.
Datenschutzerklärung anpassen
Nennen Sie Clarity, beschreiben Sie Zweck, Rechtsgrundlage, Empfänger, Speicherdauer und die Möglichkeit zum Widerruf.
Verknüpfungen bedenken
Wenn Clarity mit anderen Diensten verbunden wird, etwa mit Werbe- oder Analyseplattformen, kann das zusätzliche Fragen aufwerfen. Beziehen Sie diese Verbindungen in die Bewertung ein.
In der Praxis scheitert es selten an einem einzelnen Punkt, sondern an Kleinigkeiten: Das Skript wird zusätzlich über einen Tag-Manager eingebunden, eine Unterseite lädt es ohne Zustimmung, oder ein Test-Setup läuft nach dem Livegang weiter. Prüfen Sie deshalb mit den Entwicklertools des Browsers, welche Anfragen vor und nach der Einwilligung tatsächlich gesendet werden.
Welche Fragen sollte die Datenschutzbeauftragte stellen?
- Wird das Skript wirklich erst nach der Einwilligung geladen, auch nach einem Widerruf und auf allen Unterseiten?
- Welche Inhalte sind in den Aufzeichnungen tatsächlich sichtbar, zum Beispiel Namen im Kundenkonto?
- Wie lange werden Aufzeichnungen gespeichert, und lässt sich das beeinflussen?
- Wer im Unternehmen hat Zugriff auf das Clarity-Projekt?
- Wofür dürfen die Daten durch den Anbieter selbst genutzt werden?
- Ist eine Datenschutz-Folgenabschätzung wegen systematischer Beobachtung erforderlich?
- Ist der Einsatz im Verzeichnis der Verarbeitungstätigkeiten dokumentiert?
Die Antworten sollten schriftlich festgehalten werden. So lässt sich später nachvollziehen, auf welcher Grundlage die Entscheidung getroffen wurde, etwa bei einer Anfrage der Aufsichtsbehörde oder einem Auskunftsersuchen.
Wann ist eine Alternative zu Clarity sinnvoll?
Clarity ist für viele Teams ein guter Einstieg in Verhaltensanalyse. Eine Alternative kann sinnvoll sein, wenn einer der folgenden Punkte für Sie schwerer wiegt als die Kostenfreiheit:
| Anforderung | Warum sie zu einer Alternative führen kann |
|---|---|
| Auftragsverarbeitung mit AVV | Sie möchten eine klare vertragliche Rolle des Anbieters als Auftragsverarbeiter. |
| Self-Hosting | Aufzeichnungen sollen Ihre eigene Infrastruktur nicht verlassen. |
| Maskierung im Browser | Sensible Eingaben sollen schon im Browser verborgen werden, nicht erst auf dem Server. |
| Einstellbare Speicherdauer | Sie möchten die Frist selbst festlegen und einzelne Sessions sofort löschen. |
| Mobile Apps | Neben der Website soll eine React-Native-App aufgezeichnet werden. |
| Mehrsprachige Teams | Support in einem Land soll Sessions aus einem anderen Markt verstehen. |
Umgekehrt gilt: Wenn Sie Heatmaps brauchen, ist AnyReplay keine Alternative, denn es bietet keine Heatmaps. AnyReplay konzentriert sich auf Session Replay im Web und in React Native, maskiert standardmäßig jede Eingabe im Browser, bevor gesendet wird — Passwörter und Zahlungsdaten immer — und zeichnet mit requireConsent: true erst nach Zustimmung auf. Die Speicherdauer stellen Sie zwischen 1 und 365 Tagen ein; AVV und eigenes Ingest beim Self-Hosting gibt es im Enterprise-Plan. Mehr zu den Schutzmechanismen lesen Sie auf der Seite Datenschutz.
Eine ausführliche Gegenüberstellung finden Sie im Vergleich mit Microsoft Clarity (auf Englisch). Einen Überblick über weitere Werkzeuge gibt der Artikel Hotjar-Alternativen.
Wie wird die Einwilligung technisch sauber umgesetzt?
Unabhängig vom Tool gilt: Die Aufzeichnung darf erst beginnen, wenn die Zustimmung vorliegt, und muss bei einem Widerruf enden. Wer mehrere Tools einsetzt, sollte alle zentral über die Consent-Management-Plattform steuern. In AnyReplay startet der Recorder mit requireConsent: true inaktiv und beginnt erst nach consent(true). Die Entscheidung speichert Ihre CMP, nicht der Recorder. Beispiele für gängige Banner finden Sie in der Dokumentation zur Einwilligung (auf Englisch).
Ist Microsoft Clarity kostenlos?
Ja, Microsoft stellt Clarity nach eigener Darstellung kostenlos zur Verfügung. Die datenschutzrechtliche Bewertung bleibt dennoch Ihre Aufgabe.
Brauche ich für Clarity ein Consent-Banner?
Nach verbreiteter Auffassung der Aufsichtsbehörden in der Regel ja, weil Cookies gesetzt und Nutzerverhalten ausgewertet werden. Lassen Sie Ihren konkreten Fall prüfen.
Kann ich Clarity und ein anderes Replay-Tool gleichzeitig nutzen?
Technisch ja, aus Sicht der Datenminimierung sollten Sie aber begründen können, warum zwei Tools dieselben Daten erfassen.