Tool-Vergleich
Hotjar-Alternativen: Kriterien für DSGVO-Teams
Hotjar-Alternative gesucht? Kriterien wie Hosting, AVV, Maskierung und Einwilligung sowie ein neutraler Überblick über Clarity, Matomo, PostHog und weitere.
Veröffentlicht · Aktualisiert · 4 Min. Lesezeit
Eine gute Hotjar-Alternative für DSGVO-sensible Teams erkennen Sie nicht am Marketing, sondern an nachprüfbaren Kriterien: Wo werden Daten verarbeitet, gibt es einen Auftragsverarbeitungsvertrag, wird im Browser maskiert, lässt sich die Aufzeichnung an eine Einwilligung koppeln und ist Self-Hosting möglich? Welches Tool passt, hängt außerdem davon ab, ob Sie Heatmaps, Umfragen oder vor allem Session Replay brauchen.
Warum suchen Teams nach einer Hotjar-Alternative?
Hotjar ist eines der bekanntesten Werkzeuge für Heatmaps, Aufzeichnungen und Nutzerfeedback. Dass Teams trotzdem nach Alternativen suchen, hat meist praktische Gründe, nicht grundsätzliche:
- Die Datenschutzbeauftragte möchte Datenflüsse, Unterauftragsverarbeiter und Drittlandtransfers genauer bewerten oder bevorzugt eine selbst gehostete Lösung.
- Das Team nutzt nur einen Teil des Funktionsumfangs, etwa ausschließlich Aufzeichnungen, und sucht ein fokussierteres Werkzeug.
- Neben der Website soll auch eine mobile App aufgezeichnet werden.
- Die Anforderungen an Fehleranalyse und Support sind gestiegen, sodass technische Signale wichtiger werden als Umfragen.
- Budget, Vertragsmodell oder Datenvolumen passen nicht mehr zum Unternehmen.
Welche Kriterien zählen für die DSGVO?
Kein Tool ist für sich allein DSGVO-konform. Ob der Einsatz zulässig ist, hängt davon ab, wie Sie es konfigurieren, welche Verträge Sie schließen und wie Sie informieren. Diese Kriterien helfen beim Vergleich:
| Kriterium | Worauf Sie achten sollten |
|---|---|
| Hosting und Drittlandtransfer | Wo werden Daten gespeichert, welche Unterauftragsverarbeiter gibt es, auf welcher Grundlage erfolgen Übermittlungen außerhalb des EWR? |
| Auftragsverarbeitungsvertrag | Wird ein AVV nach Art. 28 DSGVO angeboten, und was regelt er? |
| Maskierung | Welche Eingaben werden verborgen, wie steuern Sie das, und passiert es im Browser oder erst auf dem Server? |
| Einwilligungssteuerung | Lässt sich die Aufzeichnung zuverlässig an Ihr Consent-Banner koppeln? |
| Speicherdauer und Löschung | Ist die Frist einstellbar, lassen sich einzelne Aufzeichnungen löschen? |
| Self-Hosting | Können Sie das Tool in Ihrer eigenen Infrastruktur betreiben? |
| Zugriffskontrolle | Gibt es Rollen und ein Protokoll darüber, wer was gesehen oder gelöscht hat? |
Die rechtlichen Grundlagen haben wir im Artikel Session Replay und DSGVO zusammengefasst. Er ersetzt keine Rechtsberatung; lassen Sie Ihre Auswahl von Ihrer Datenschutzbeauftragten prüfen.
Welche Hotjar-Alternativen gibt es?
Die folgende Übersicht beruht auf der öffentlichen Selbstdarstellung der Anbieter. Funktionen und Vertragsbedingungen ändern sich; prüfen Sie den aktuellen Stand immer direkt beim Anbieter.
Microsoft Clarity
Clarity ist ein kostenloses Werkzeug von Microsoft mit Aufzeichnungen, Heatmaps und automatischen Auswertungen wie Rage Clicks und Dead Clicks. Es ist schnell eingerichtet und bietet eine Schnittstelle, um Einwilligungssignale zu übergeben. Worauf Sie beim Einsatz achten sollten, beschreibt unser Artikel Microsoft Clarity und DSGVO.
Mouseflow
Mouseflow positioniert sich als Werkzeug für Verhaltensanalyse mit Aufzeichnungen, Heatmaps, Funnels und Formularanalyse. Es richtet sich an Marketing- und E-Commerce-Teams, die ähnliche Funktionen wie bei Hotjar suchen.
Matomo
Matomo ist in erster Linie eine Webanalyse-Plattform, die sich selbst hosten lässt. Session Recording und Heatmaps sind als optionale Erweiterungen erhältlich. Für Teams, die Webanalyse und Aufzeichnungen in der eigenen Infrastruktur bündeln möchten, ist Matomo daher naheliegend.
Smartlook
Smartlook bietet Aufzeichnungen, Heatmaps, Events und Funnels für Websites und mobile Apps. Es spricht Produktteams an, die Web und App mit einem Werkzeug abdecken wollen.
PostHog
PostHog ist eine Produktplattform, die Produktanalyse, Session Replay, Feature Flags und Experimente kombiniert. Sie eignet sich für Teams, die viele Funktionen in einem System wollen, und ist als Open Source verfügbar.
OpenReplay
OpenReplay ist ein quelloffenes Session-Replay-Tool, das sich selbst hosten lässt. Es richtet sich vor allem an Entwicklungsteams, die Aufzeichnungen mit technischen Details zur Fehlersuche verbinden möchten.
AnyReplay
Ehrlich gesagt: Wenn Heatmaps für Sie zentral sind, ist AnyReplay nicht die richtige Wahl, denn es bietet keine Heatmaps, keine Funnels und keine A/B-Tests. AnyReplay konzentriert sich auf Session Replay für Websites und React-Native-Apps. Eingaben werden standardmäßig im Browser maskiert, bevor etwas gesendet wird, Passwörter und Zahlungsdaten in jeder Konfiguration; requireConsent hält die Aufzeichnung bis zur Zustimmung zurück, die Speicherdauer ist zwischen 1 und 365 Tagen einstellbar, und die Wiedergabe läuft in einem abgeschotteten iframe ohne Skriptausführung. Sessions lassen sich nach Fehlern, Rage Clicks und eigenen Events filtern. AVV und Sicherheitsfragebogen gibt es im Enterprise-Plan, dort ist auch eigenes Ingest beim Self-Hosting verfügbar.
Eine Besonderheit ist die Übersetzung der aufgezeichneten Oberfläche: Spielt jemand eine Session in einer anderen Sprache ab, lassen sich die Texte auf Abruf ins Deutsche, Englische, Türkische, Spanische oder Französische übersetzen. Mehr dazu auf der Seite Session-Übersetzung.
Welches Tool passt zu welchem Bedarf?
| Bedarf | Naheliegende Kandidaten |
|---|---|
| Heatmaps und Aufzeichnungen für Marketing | Hotjar, Microsoft Clarity, Mouseflow |
| Webanalyse in eigener Infrastruktur | Matomo, gegebenenfalls mit Erweiterungen |
| Produktanalyse, Feature Flags und Replay in einem | PostHog |
| Selbst gehostetes Session Replay | OpenReplay (quelloffen), AnyReplay (Referenzbereitstellung) |
| Web und mobile App | Smartlook, PostHog, AnyReplay (React Native) |
| Fokus auf Replay mit Maskierung im Browser und Übersetzung | AnyReplay |
Die Tabelle ist bewusst grob. Viele Teams kombinieren Werkzeuge: eine Webanalyse für Kennzahlen, ein Heatmap-Tool für Landingpages und ein Replay-Tool für Fehlersuche und Support. Achten Sie in diesem Fall darauf, dass nicht mehrere Skripte dieselben Daten erfassen, denn das widerspricht dem Grundsatz der Datenminimierung und erschwert die Einwilligungsverwaltung.
Wie gehen Sie beim Wechsel vor?
Anforderungen klären
Legen Sie fest, welche Funktionen wirklich genutzt werden: Heatmaps, Umfragen, Aufzeichnungen, App-Unterstützung.
Datenschutz früh einbinden
Stimmen Sie die Kriterien aus der Tabelle oben mit Ihrer Datenschutzbeauftragten ab, bevor Sie Tools testen.
Parallel testen
Binden Sie zwei Kandidaten auf einer Testumgebung ein und prüfen Sie Maskierung und Einwilligungssteuerung mit echten Formularen. Wie Sie bei AnyReplay kontrollieren, ob alle sensiblen Felder verborgen sind, beschreibt die Fehlerbehebung zur Maskierung (auf Englisch).
Consent-Banner anpassen
Tragen Sie das neue Tool in Ihre Consent-Management-Plattform ein und entfernen Sie das alte vollständig.
Dokumentation aktualisieren
Passen Sie Datenschutzerklärung, Verarbeitungsverzeichnis und gegebenenfalls den AVV an.
Detaillierte Gegenüberstellungen finden Sie in unseren Vergleichen AnyReplay und Hotjar (auf Englisch) sowie AnyReplay und OpenReplay (auf Englisch). Wenn Sie AnyReplay im Frühzugang testen möchten, finden Sie alle Pläne unter Preise.
Gibt es eine Hotjar-Alternative mit Server in Deutschland?
Einige Anbieter werben mit Hosting in der EU oder in Deutschland, andere lassen sich selbst hosten. Prüfen Sie die Angaben im AVV und in der Liste der Unterauftragsverarbeiter.
Ist ein selbst gehostetes Tool automatisch datenschutzkonform?
Nein. Self-Hosting vermeidet Übermittlungen an Dritte, aber Einwilligung, Maskierung, Speicherfristen und Informationspflichten bleiben Ihre Aufgabe.